Aviationscout Blog

26
November
2011

Marktöffnung BVD

 

Der neue EU Vorschlag zur weiteren Deregulierung der Bodenverkehrsdienste an den Europäischen Flughäfen erhitzte in den letzten Wochen die Gemüter der Gewerkschaften und Lobbyistenverbände.

Neben einer Sorge eines weiteren Abbaus der Tariflöhne, wurde da von Qualitäts- und Sicherheitsbedenken gesprochen,letztendlich einem Vorschlag der EU, der in die falsche Richtung laufe. Flux wurden Betriebsversammlungen auf den europäischen Flughafen organisiert um der drohenden Gefahr zu trotzen.

Aber schauen wir doch einmal genauer hin. Fast 10 Jahre nach dem ersten Liberalisierungsschritt hält sich der Jubel der Wettebewerber in Grenzen. Zwar wurden weitere Dienstleister im Bodenverkehrsdienst zugelassen, aber kaum einer schaffte es da über 20 % Marktanteil, die Voraussetzung um überhaupt wirtschaftlich operieren zu können. Ganz zu schweigen von den hohen Investitionen in Bodenabfertigungsgerätes, die innerhalb der Laufzeit der Lizenz von üblicherweise 7 Jahren in der Regel nicht abgeschrieben werden können.

Der Nutzerausschuss, das durch die Direktive eingerichtete Gremium, das über die Zulassungen bestimmen soll, ist in der Regel in Deutschland von der deutschen Lufthansa dominiert und damit auch durch LH gesteuert. Die dort abgegebenen Voten werden somit je nach politischer Interessenlage getroffen. Und last not least restriktive Pflichtenhefte, die den Wettbewerben hohe Auflagen auferlegen, sozusagen als Voraussetzung Ihre Dienstleistung auch erbringen zu dürfen.

Man hat sich halt zwischenzeitlich arrangiert, von der großen Bedrohung ist nichts zu spüren. Allein die Marktpreise sind deutlich gesunken, dank Benchmarks der Wettbewerber , die versuchten den ehemaligen Monopolmarkt zu erschließen. Gebracht hat es Ihnen am Schluss wenig, sowohl den Dienstleistern, als auch den Flughäfen.

Die immer wieder beschworene Qualitäts und Sicherheitsfalle bei den Drittanbietern ist ausgeblieben. Ganz im Gegenteil, die Qualität ist durch den Wettbewerb eher gestiegen.

Somit spricht einiges doch für eine weitere Liberalisierung der Märkte. Allerdings sicherlich in Maßen und mit Augenmaß.

Faire Zugangsregeln zum Bodenverkehrsdienst sind überfällig und sollten erleichtert werden. Dienstleistungsunternehmen sollten so gestellt sein, dass es Ihnen auch ermöglicht wird, wirtschaftlich zu operieren.

Last not least geht es auch um die Arbeitsbedingungen. Vernünftige Einstiegsqualifikationen für Neueinsteiger, gerade im Bereich der Leiharbeitnehmer, können sicherstellen, dass die schnelle Integration in die Prozesslandschaft gelingt und die erwünschten und für die Wirtschaftlichkeit notwenigen Produktivität erreicht werden.

Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht, allerdings bin ich mir sicher, daß der Weg zu einer weiteren Liberalisierung nicht aufzuhalten sein wird.

Geschrieben von Christian Stoschek


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